Hyaluronsäure

Ihre Vorteile: auf einen Blick

  • Wichtigster Bestandteil der Gelenkflüssigkeit
  • Stark wasserbindend und damit elastizitätssteigernd für z.B. Knorpelgewebe
  • Druckbeständig (Molekül-Knäuel entsprechend einem Kugellager), verhindert aber je nach Anspruch gleichzeitig auch die Gelenkreibung
  • Förderung von Zellteilung und Zellwachstum

Die Hyaluronsäure ist ein wichtiger Bindegewebsbestandteil, der insbesondere in der Zellproliferation und Zellmigration eine entscheidende Rolle spielt. Erstmals 1930 durch den deutschen Mediziner Karl Meyer bei Untersuchungen des Glaskörpers am Auge entdeckt, hat es heute eine weite Verbreitung und Anwendung gefunden.

In den Gelenken gilt es als „Schmiermittel“ zur Reduktion der Reibung benachbarter Knorpelschichten und gleichzeitig zur Verbesserung der Gleitfähigkeit. Es wird in den Knorpelzellen gebildet und ist stark wasserbindend wie auch druckbeständig. Durch ersteres entsteht die hohe Viskosität (Dickflüssigkeit) der Gelenkflüssigkeit. Diese Strukturviskosität ist vorrangig bei Druckbelastungen entscheidend, kann aber je nach Belastungsanspruch an das entsprechende Gelenk auch herabgesetzt werden, um bei Scherkrafteinwirkung auf das Gelenk die Reibung zu verringern.

In der Medizin wird das Natrium-Salz der Hyaluronsäure verwendet, das entweder aus tierischem Ausgangsmaterial (z.B. Hahnenkamm) oder aber auch biotechnologisch aus Streptokokken-Kulturen gewonnen werden kann.

Es können zwei Typen von Hyaluronsäure unterschieden werden:

  1. Kurzkettige (niedermolekulare) Hyaluronsäure, die vorwiegend zur Reizlinderung bei aktivierter Arthrose eingesetzt werden kann. Sie hat einen schmerzlindernden und auch entzündungshemmenden Effekt.
  2. Langkettige (hochmolekulare) Hyaluronsäure wird vorrangig bei Gelenken mit noch vorhandenen Knorpelanteilen eingesetzt. Ihr wird eine knorpelprotektive Funktion zugeschrieben. Weiter wird die Gleitfähigkeit des Gelenkes erhöht.

 

In aller Regel erfolgt die Hyaluronsäurebehandlung entweder alleinig oder in Kombination mit einer PRP-Therapie oder aber auch Cortisontherapie. Je nach Ausprägung der Arthrose und Anwendungsmodalität besteht die Möglichkeit einer Auffrischung, sollte die Erstbehandlung erfolgreich verlaufen sein. Sinnvoll erscheint eine Auffrischung der Injektion 6-12 Monate nach Erstgabe. Es sind auch positive Verläufe bis zu zwei Jahren bekannt.

Einen knorpelinduzierenden und damit Knorpelneubildungs-Effekt hat die Hyaluronsäure aber nicht ! Sie dient lediglich zum Schutz des Knorpels und trägt zu dessen Ernährung bei. Damit ist klar, dass über Verminderung von Knorpelabrieb durch die Hyaluronsäure ein langandauernder Effekt möglich sein kann.

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Konservative Behandlung von Arthrose

An der Feststellung des schottischen Anatomen William Hunter aus dem Jahre 1760 („hyaliner Knorpel heilt nicht!“) hat sich auch heute nichts geändert.

Dies ist mit ein Grund warum im Rahmen konservativer Therapiemöglichkeiten der Arthrose häufig die symptomatische Behandlung üblich ist. Hierbei hat insbesondere die Hyaluronsäurebehandlung seit Jahrzehnten ihren Stellenwert. Wissenschaftlich jedoch bleibt die Wirkweise dieser Substanz dennoch kontrovers diskutiert. Eine Vielzahl an Untersuchungen konnte die Wirksamkeit und vor allem die klinisch relevante Schmerzhemmung zeigen [1-4].
In der Leitlinienbehandlung der Gonarthrose beispielsweise wird deshalb eine 89% Konsensempfehlung in folgender Form ausgesprochen:
„Die intraartikuläre Hyaluronsäureinjektion kann bei Patienten eingesetzt werden, bei denen der Einsatz von NSAR kontraindiziert ist oder bei denen NSAR nicht ausreichend wirksam sind.“

Hyaluronsäure hat ein anderes Nebenwirkungsprofil als NSAR, Paracetamol oder Cortison und führt deshalb zu weniger Therapieabbrüchen insgesamt [3]. Außerdem seien die Nebenwirkungen problemlos symptomatisch therapierbar und führen im Allgemeinen nicht zu einer systemischen Überempfindlichkeitsreaktion.

Patienten mit akutem entzündlichen Schub einer Arthrose (sog. aktivierte Arthrose) können auch von der Kombination aus Hyaluronsäure und gleichzeitiger intraartikulärer Applikation eines Steroids profitieren, obwohl zu der synergetischen Wirkung aktuell noch keine abschließende Aussage getroffen werden kann [5,6]. Die Arbeitsgruppe um Bannuru et al. fand 2009 heraus, dass die alleinige Injektion von Cortison im Vergleich zu Hyaluronsäure bis zu 4 Wochen nach Applikation eine bessere Schmerzreduktion erbringen kann. Dahingegen waren die Ergebnisse zwischen der 4. und 8. Woche identisch, während Hyaluronsäure allein nach der 8. Woche eine größere Effektivität zeigte [7].

 

Quellennachweis:

1. Lotz M, Martel-Pelletier J, Christiansen C et al. Value of biomarkers in osteoarthritis: current status and perspectives. Ann Rheum Dis, 2013. 72(11): p. 1756-63.

2. Bannuru RR, Natov NS, Dasi UR et al. Therapeutic trajectory following intra-articular hyaluronic acid injection in knee osteoarthritis--meta-analysis. Osteoarthritis Cartilage, 2011. 19(6): p. 611-9.

3. Bannuru RR, Schmid CH, Kent DM et al. Comparative effectiveness of pharmacologic interventions for knee osteoarthritis: a systematic review and network meta-analysis. Ann Intern Med, 2015. 162(1): p. 46-54.

4. Miller LE and Block JE. US-Approved Intra-Articular Hyaluronic Acid Injections are Safe and Effective in Patients with Knee Osteoarthritis: Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized, Saline-Controlled Trials. Clin Med Insights Arthritis Musculoskelet Disord, 2013. 6: p. 57-63.

5. de Campos GC, Rezende MU, Pailo AF et al. Adding triamcinolone improves viscosupplementation: a randomized clinical trial. Clin Orthop Relat Res, 2013. 471(2): p. 613- 20

6. Grecomoro G, Piccione F, and Letizia G. Therapeutic synergism between hyaluronic acid and dexamethasone in the intra-articular treatment of osteoarthritis of the knee: a preliminary open study. Curr Med Res Opin, 1992. 13(1): p. 49-55.

7. Bannuru RR, Natov NS, Obadan IE, Price LL; Schmid CH, McAlindon TE. Therapeutic trajectory of hyaluronic acid versus corticosteroids in the treatment of knee osteoarthritis: a systematic review and meta-analysis. Arthritis Rheum. 2009 Dec 15;61(12):1704-11

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